Wichtige aber zögerliche Energierichtplanung in Chur

28. März 2019

Die Stadt Chur ist die erste Bündner Gemeinde mit einem Energierichtplan. Dieses Instrument ist wichtig für die Planung einer klimaverträglichen Energieversorgung der Stadt. WWF und VCS verlangen aber Nachbesserungen und mehr Tempo.

Über 90 Prozent des Wärmebedarfs wird in Chur fossil gedeckt. Der Handlungsbedarf für den Klimaschutz ist also riesig. Mit dem Energierichtplan schafft die Stadt ein wichtiges Planungsinstrument, um die lokal vorhandenen erneuerbaren Energien wie Umweltwärme (aus Abwasser und dem Erdreich) sowie Fernwärme und Sonne optimal nutzen zu können. WWF und VCS begrüssen darum die Einführung des Energierichtplans und der meisten geplanten Massnahmen für das Stadtgebiet. Sie bedauern jedoch, dass Chur den Energierichtplan auf die Wärmeversorgung beschränkt und den Verkehr als wichtigen CO2-Verursacher aussen vorlässt.

Die Energiewende im Wärmebereich plant die Stadt Chur leider mit angezogener Handbremse. Der Hauptgrund ist das dichte Gasnetz. Um die Gasleitungen noch lange betreiben zu können, setzt die Stadt auf den schrittweisen Ersatz des fossilen Gases durch Biogas. Das ist Augenwischerei. In der Schweiz kann einheimisches Biogas höchstens einen Neuntel des fossilen Erdgases ersetzen, wenn alle nachhaltigen Potenziale erschlossen werden. Importiertes Biogas, wie im Churer Energierichtplan vorgesehen, kann keine Alternative sein. Auch in Europa ist das nachhaltige Potential viel zu niedrig und wird für die eigene Dekarbonisierung des Energiesektors gebraucht. Zudem ist Import-Biogas heute nichts anderes als fossiles Erdgas mit Zertifikat - ohne jeden Klimaschutz-Nutzen in der Schweiz. Neben dem Ausbau der einheimischen Biogas-Erzeugung geht es also vor allem um die konsequente Reduktion des Gasbedarfs.

Das riesige Fernwärme-Potential der Axpo-Tegra AG in Domat/Ems lässt Chur hingegen links liegen. Falls eine Leitung doch noch gebaut werden sollte, würde die Stadt die Gebiete Trist, Kornquader und Kasernenareal anschliessen. Im Energierichtplan sucht man diese Fernwärmeleitung jedoch vergeblich. Damit schafft die Stadt Chur keine Planungssicherheit für diese Investition. Die Zukunft des schweizweit grössten Biomassekraftwerkes Axpo-Tegra hängt aber entscheidend von der Haltung der Stadt Chur ab. Mangels Abnehmer muss die Axpo-Tegra die hochwertige Abwärme nämlich vernichten. Eine Tegra-Fernwärmeleitung könnte zudem mit der bestehenden Gevag-Leitung zusammengeschlossen werden, was die Sicherheit der Fernwärmeversorgung stark verbessern würde.  

WWF und VCS fordern von der Stadt Chur, auf die kurzsichtige Gas-Strategie zu verzichten und stattdessen die hochwertige Fernwärme konsequent zu nutzen. Damit würde Chur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiestrategie 2050 leisten. 

  

Weitere Infos:

Anita Mazzetta, WWF Graubünden, 081 250 23 00, anita.mazzetta@wwf-gr.ch

Stefan Grass, VCS Graubünden, 081 250 67 22, stefangrass@vcs-gr.ch 

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