Val Curciusa: Gerettet heisst noch lange nicht geschützt

10. Mai 2019

Vor 20 Jahren konnte das einzigartige Val Curciusa vor der Überflutung gerettet werden, weil die Pläne für das Pumpspeicherkraftwerk Curciusa fallen gelassen wurden. Doch noch heute fehlt dem weitgehend unberührten und völlig unerschlossenen Tal jeglicher Schutzstatus. Dafür engagiert sich der WWF.

In den Bundesinventaren der geschützten Auen und Landschaften sucht man das Val Curciusa vergeblich. Auch bei den Revisionen der Bundesinventare wurde das Tal von Bund und Kanton nie für eine Aufnahme vorgeschlagen. Entscheide, die für den WWF nicht nachvollziehbar sind. Schon seit Jahren pendent ist ebenfalls die Aufnahme der Landschaft ins kantonale Natur- und Landschaftsschutzinventar. «Das Val Curciusa muss nun endlich als Landschaftsschutzgebiet ausgeschieden werden», so Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin des WWF Graubünden. 

Das Val Curciusa ist eine grossartige Gebirgslandschaft zwischen Splügen- und San Bernardinopass. Das Tal ist völlig unerschlossen und lediglich zu Fuss über Pfade erreichbar. Die Wanderung durch das Val Curciusa ist ein einsames und langes Abenteuer. Denn das Tal ist das längste nicht erschlossene Tal Graubündens ausserhalb des Nationalparks. Auch die Bäche und Flüsse im Val Curciusa sind einzigartig und suchen ihresgleichen. «Der Areuabach ist die Seele des  malerischen Val Curciusa», sagt Anita Mazzetta. Er fliesst ungezähmt und wild durchs Tal, während Auen und Moore den Talboden schmücken. Gemeinsam mit Experten hat der WWF schweizweit 64 Gewässerperlen ausgewiesen. Der einzigartige Areuabach gehört ebenfalls dazu.

Der Schutz der ursprünglichen Val Curciusa ist überfällig
Bereits 1994 bejahte die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission ENHK die Schutzwürdigkeit des Tals und der Auengebiete. Das Gutachten erstellte die Fachkommission im Rahmen der Auseinandersetzungen um das Pumpspeicherkraftwerk Curciusa. Landschaften mit vergleichbarer Ursprünglichkeit wie sie im Val Curciusa zu finden ist, seien im schweizerischen Alpenraum selten geworden. Darum empfahl die ENHK das Tal ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler aufzunehmen. Das Tal sei weitgehend unberührt, von erheblicher Grösse und geradezu einmalig. Auch für die Auen empfahl sie die Inventaraufnahme. 

Doch politische Bemühungen um den Schutz des wilden Tales blieben bis heute aus. «20 Jahre sind genug!», meint Anita Mazzetta vom WWF Graubünden. «Das lange Warten muss ein Ende habe – jetzt braucht das Val Curciusa einen verbindlichen Schutz.» 


Hintergrundinformation:
Gigantische Baupläne und ein langer Kampf für das wilde TalIn den 80iger Jahren schmiedeten die Misoxer Kraftwerke Pläne für ein Saisonpump-speicherkraftwerk. Das hintere Drittel vom Val Curciusa sollte unter Wasser gesetzt werden. Rund die Hälfte des Wassers für den Stausee hätte aus dem Misox hochgepumpt werden müssen. Der billige ausländische Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken wäre zu "sauberer" Schweizer Wasserkraft im Winter vergoldet worden. Umweltschützer unter der Federführung des WWF Graubünden kämpften über Jahre beherzt gegen die gigantischen Pläne und für das bedrohte Tal. 1986, kurz nachdem das Projekt für ein Pumpspeicherwerk auf dem Tisch lag, formierten sich besorgte Bürger und Bürgerinnen aus dem Rheinwald, aus Graubünden und der ganzen Schweiz und gründetet mit Unterstützung des WWF Graubünden eine Arbeitsgruppe für das Val Curciusa. Damit begann das lange Engagement für das bedrohte Tal. 1990 nahmen 500 Leute an einem grossen Alpfest teil. Musiker spielten auf und auch Bruno Manser, der bekannte Regenwaldschützer und früherer Schafhirt im Val Curciusa, ist vor Ort. Mit hunderten Ballonen wurde der geplante Staudamm in der Landschaft sichtbar gemacht. Herumliegende Bohrkerne von Sondierbohrungen wurden gesammelt und zu Tal getragen. Einen Monat später errichteten die Aktivisten vor dem Hauptsitz der Kraftwerkgesellschaft in Zürich einen «Turm zu Babel» und überreichten dem Direktor einen Flussstein aus dem Areuabach mit der eingravierten Schrift «Viva Curciusa». Jeder neue Gerichtsentscheid für das Kraftwerksprojekt wurde genau geprüft und wenn nötig bis vor Bundesgericht weitergezogen. Die Umweltorganisationen konnten einige Erfolge feiern. Doch zu einem abschliessenden Entscheid des Bundesgerichts kam es nie. Am 12. Mai 1999 – also vor 20 Jahren – konnten die Gegner während des Bundesgerichtsverfahrens dann trotzdem jubeln. Die Kraftwerkgesellschaft liess das Pumpspeicherkraftwerk Curciusa als «nicht amortisierbare Investition» fallen. Peter Lüthi, der damalige Leiter des WWF Graubünden, schrieb unter dem Titel: «Und plötzlich wird ein Traum wahr»: «Die wilde Curciusa ist gerettet und wir Umweltschützer schweben im Freudentaumel.» 

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Peter Lüthi spricht im Jubiläumsfilm «Rauschendes Wasser im Val Curciusa» über den langen Kampf.
Bilder finden Sie: hier. Bitte mit Copyright publizieren. 

Weitere Informationen: Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin WWF Graubünden, 076 500 48 18
 

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