Ostschweizer Kinder- und Jugend-Umweltpreise vergeben: Der Preis macht das Engagement sichtbar

26. August 2018

Vielseitig und begeisternd trugen sechs Gruppen und Klassen aus der ganzen Ostschweiz ihre Projekte einem wohlwollenden Publikum und einer kritischen Jury vor. Es war der Höhepunkt des WWF-Umweltpreises «Der Grüne Zweig»: die Verleihung, die am Freitagabend in der Lokremise in Wil stattfand. Dank ihrer witzigen Präsentation schaffte es die Primarschule Rüthi mit dem «Lerngarten Bündt» auf den 1. Rang. Das Primarschulhaus Rheinau aus Chur erreichte mit seinem Projekt "Wild und Honigbienen" den 3. Rang.

In die Lokremise wurden die kleinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von sechs der über 30 eingereichten Projekte eingeladen. Die Einladung erfolgte aufgrund der eingereichten Unterlagen und der ermittelten Publikumssympathie. Alle in Wil Anwesenden gehörten schon zu den Gewinnerinnen und Gewinnern. Die zu klärende Frage war: in welcher Reihenfolge?  Für die Schlusswertung zählte die Präsentation vor dem Publikum.

Den Sieg holte sich die Primarschule Bündt in Rüthi mit ihrem Lerngarten. Über 120 Schülerinnen und Schüler waren am sympathischen Projekt mit dem Lerngarten beteiligt.  Neben der Schaffung eines Gemüsegartens bauten die Kinder Biotope, Stein- und Totholzhaufen für Tiere und vieles mehr. Theater spielend erklärten die Primarschülerinnen und - schüler aus Rüthi ihr Projekt dem Publikum. Ladina Strebel, Elissa Riahi, Lisa Kollefrath und Amélie Kinner sagen einhellig: «Wir haben alle zusammengehalten und das zusammen geschafft. Das macht den Lerngarten so schön.»  

Die Präsentation «Schluss mit lustig» kam von der Oberstufe Walenstadt. Eine eilig zugemüllte Bühne machte dem Publikum schnell klar, worum es hier geht: Das achtlose Wegwerfen von Abfall und das mühsame Zusammensuchen desselben. Die eindrücklich präsentierte Darbietung und das Einbetten in einen grösseren nationalen Zusammenhang einer Littering-Studie wurde belohnt: das Projekt wurde mit dem 2. Preis ausgezeichnet.

Der Auftritt im Imker-Schutzanzug der Jugendlichen aus dem Primarschulhaus Rheinau in Chur, der an eine Performance einiger Astronauten erinnerte, wurde mit dem dritten Platz belohnt. Ihr Projekt bringt jedes Jahr ein schönes Ergebnis: Honig für die Schülerinnen und Schüler. «Bienen statt Mathe, das ist cool», meinten die Schulkinder aus Chur. Der Einsatz dieser Schülerinnen und Schüler geht aber über die Honigproduktion hinaus: Mit dem Bau von Wildbienenhotels ist auch ein grosses Engagement für die Insekten im Allgemeinen spürbar. Das wurde mit der Schaffung eines Kräutergartens und einer Magerwiese deutlich.

 

Portraits der Preisträger

1. Platz  Lerngarten Bündt, Primarschule Rüthi 
In einer Art Theater, bei dem zwei knurrende Alte sich etwas abfällig über die am Lerngarten werkelnden Kinder äussern und diese ihre Arbeit erklären, brachten die Schülerinnen und Schüler dem Publikum das Projekt nahe. Besonders witzig: 60 Jahre später, Rüthi ist nun eine Grossstadt, sitzen zwei Alte an gleicher Stelle und schwelgen in Erinnerungen, als sie noch Kinder waren und den Lerngarten bauten: «Das einzige, das noch wie früher ist», meinte einer. Ziel des Projektes ist es, den Tieren in der Umgebung geeignete Unterschlupfmöglichkeiten zu bieten, die Biodiversität zu fördern und die Kinder erfahren zu lassen, wie wichtig es ist, zur Natur Sorge zu tragen.

2. Platz  «Schluss mit lustig», Oberstufe Walenstadt 
Mit einer geschauspielerten Episode führten die Jugendlichen das Publikum an die Ufer des Walensees. Es ist romantisch, bis jemand vorbeijoggt, seine Getränkeflasche fortwirft und ein Raucher seinen Zigarettenstummel. Littering ist ein Thema, das Jugendliche beschäftigt. Ihnen gelten schliesslich auch viele Kampagnen, denn sie sind für viel Abfall verantwortlich. Doch die Jugendlichen in Walenstadt drehten für einmal den Spiess um. Sie sammelten ein Jahr lang an einem definierten Ort den Abfall ein und führten darüber genau Buch. Das Ergebnis floss in eine schweizweite Studie, die für einige Schlagzeilen sorgte. Stellvertretend für die Jugendlichen der Oberstufe Walenstadt sagt Andreas Eberli: «Die eingesammelte Abfallmenge öffnete vielen die Augen. Wir achten nun konsequenter darauf, dass unser Abfall in Kübeln landet.»

3. Platz «Wild und Honigbienen beim Schulhaus . Biodiversität in der Stadt», Primarschulhaus Rheinau, Chur  
Auch diese Präsentation war sehr vielseitig. Einerseits führten Theatereinlagen, anderseits Bilder das Publikum in die Bienenwelt beim Primarschulhaus Rheinau in Chur ein. Zum Projekt gehören 19 Wildbienenhotels, die bereits 2015 angefertigt wurden. In der Folge erweiterten die Jugendlichen mit ihren Lehrpersonen die Biodiversität der Umgebung. Sie schufen Magerwiesen und einen insektenfreundlichen Kräutergarten. Informationstafeln auf dem Schulhof geben Auskunft über das Projekt. Eines der Ziele ist es, die Bevölkerung von Chur für die biologische Vielfalt in der Stadt zu sensibilisieren. Sam Tharuman und sein Kollege meinten: «Wir haben die Bienen intensiv beobachtet und erforscht. Sie sind sehr spannend. Das hätten wir nicht gedacht.»

4. Platz «Grosse Vielfalt auf kleinstem Raum», 4. Klasse Rotes Schulhaus, Niederteufen
Die Geschichte der Sonnenblumensamen, aus denen ein Projekt mit Hochbeeten entwickelte wurde, ist kein Naturwunder, aber eine schöne Geschichte, die zeigt, welche Kreise die Freude an der Natur ziehen kann. Denn angefangen hatte alles mit Sonneblumensamen, die Katja Stehle ihren Schülerinnen und Schüler schenkte. Die Kinder brachten sie zum blühen. Nachdem sie in den Garten gepflanzt wurden, erfreute dies auch die Schafe: offenbar fanden sie Gefallen an diesen Leckerbissen. Daraus wuchs das Projekt, ein Hochbeet zu bauen. Es sollte ein Hochbeet mit Pflanzen für Schmetterlinge werden und schonender Schädlingsbekämpfung. Das Projekt wird immer grösser. Dieses Jahr soll noch ein Bienenhotel hinzukommen und vielleicht weitere Hochbeete.

5. Platz «Froschteich Campodels», Kindergarten Loe 4, Chur
Die Kindergärtlerinnen und Kindergärtler wollen ihresgleichen, Jugendliche und Erwachsene für die Zusammenhänge der Ökologie sensibilisieren. Durch das Wissensquiz werden Kompetenzen gefördert. Und dies nicht nur bei den Teilnehmern, sondern auch bei den Kindergärtlern selber. Schliesslich müssen sie sich immer etwas Neues einfallen lassen, wenn sie sich Fragen und Aufgaben ausdenken. Die Antworten stecken die Besucher in einen Briefkasten. Der ist aber nicht etwa an einem Baum angebracht, sondern an einem Telefonmasten. Gleichzeitig kümmern sich die Kleinen auch um ihren Teich und sorgen für Ordnung.  

6. Platz «Strom aus Pflanzen», Joel Brendle, Adam Bärtschi, Benjamin Springer, SBW Talent Campus Bodensee, Kreuzlingen
Die drei wollen Strom produzieren. Und zwar aus Pflanzen. Das geht mit einer pflanzlich, mikrobiellen Brennstoffzelle, die aus der Interaktion zwischen Wurzeln und Bakterien Elektrizität erzeugt. Dabei wird organisches Material genutzt, das bei der Photosynthese entsteht. Dieses verwertet die Pflanze nicht, sondern scheidet es über die Wurzeln aus. Bakterien lösen diese organischen Rückstände auf, wobei Elektronen entstehen. Mit einer Elektrode werden die Elektroteilchen aufgefangen und produzieren Strom. Dies ist die theoretische Erklärung des Projektes, das auch in der Praxis funktionierte. Die nächste Idee der Jugendlichen: eine Plantage mit 50 Pflanzen. Das wäre genug, um eine Handyladestation zu betreiben.

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