Gewässer brauchen mehr Platz für Hochwässer

14. Juni 2019

Die aktuellen Bilder der reissenden Flüsse zeigen deutlich, welche Kraft Bäche und Flüsse bei Hochwasser entwickeln können. Ein effizienter und nachhaltiger Hochwasserschutz ist wichtig und gewinnt mit der Klimaerwärmung noch an Bedeutung.

Diesmal sind viele Gemeinden noch mit einem blauen Auge davongekommen. Da Ex-tremereignisse mit der Klimaerwärmung zunehmen, sind Massnahmen für einen nach-haltigen, aber auch kosteneffizienten Hochwasserschutz wichtig. Kantone und Gemein-den sind darum verpflichtet, die gesetzlich vorgeschriebenen Gewässerräume festzule-gen. Gemäss Gewässerschutzgesetzgebung hätte dies bis Ende 2018 geschehen sol-len. Viele Gemeinden in Graubünden sind aktuell daran, die Gewässerräume auszu-scheiden. Doch nicht alle haben die Dringlichkeit erkannt. Die Gewässerräume in der Nutzungsplanung umgesetzt, haben bis heute jedoch die wenigsten Gemeinden.  

Mit den aktuellen Hochwässern nahmen einige eingeengte Gewässer wieder ihren ur-sprünglichen Lauf und Überflutungsraum zurück. So trat auch der Inn bei San Niclà zum wiederholten Male über die eingeengten Ufer und überflutete Landwirtschaftsland. Da fragt sich, ob es nicht nachhaltiger wäre, diese Flächen, die sich in einer regionalen Aue befinden, definitiv dem Inn wieder zurückzugeben. Dank Revitalisierungen werden Rückhalteräume und Überflutungsflächen geschaffen. Sie gelten darum als effiziente Hochwasserschutzanlagen, die Hand in Hand mit den Anliegen der Natur gehen. Be-reits wurden einige vorbildliche Revitalisierungsprojekte an den Bündner Gewässern umgesetzt. Doch das Potential ist noch entlang sämtlicher Flüsse in Graubünden gross.  

Hochwässer sind übrigens zentrale Ereignisse für die Natur. Die periodischen Überflu-tungen der Auenlandschaften sind wichtig, weil Auen die ständige Erneuerung brau-chen. Nur dank den Hochwässern bleiben die wertvollen Lebensräume auf Kies- und Sandbänken, in Altläufen und Seitengerinnen erhalten. Hier lebt eine einzigartige Viel-zahl an seltenen und bedrohten Tier- und Pflanzenarten, wie der Kleine Rohrkolben, der Grosse Eisvogel oder der Flussuferläufer. Mehr als die Hälfte aller Pflanzenarten Grau-bündens und viele Tiere kommen ausschliesslich in den Auenbiotopen vor und dies auf nur einem Prozent der Kantonsfläche.

 

 

Weitere Informationen:
Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin WWF Graubünden, 081 250 23 00, 076 500 48 18 

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