Neue WWF-Broschüre klärt auf: Schweizer Gewässerperlen brauchen mehr Schutz

15. August 2017

64 Gewässer identifiziert der WWF in seiner neuen Broschüre schweizweit als «Gewässerperlen». 12 «Gewässerperlen» liegen in Graubünden. Diese letzten unberührten, natürlichen Fliessgewässer sind wertvolle und besonders artenreich «Hotspots». Der WWF setzt sich für griffige Schutzmassnahmen für diese wertvollen «Hotspots» ein.

Der WWF hat sich zum Ziel gesetzt, die wenigen, noch natürlichen und ökologisch wertvollen Bäche und Flüsse zu erhalten und ihren Schutz sicherzustellen. In einer Broschüre hat er 64 Gewässerperlen zusammengetragen. «Die Mehrheit dieser Gewässer sind richtige «Biodiversitäts-Hotspots», also wichtige Rückzugsgebiete für die gefährdeten Wasserbewohner. Ihre Lebensräume sollen erhalten bleiben, sich weiterentwickeln und entfalten können», sagt Lene Petersen, Projektleiterin Gewässerschutz beim WWF Schweiz. Denn Fakt ist, dass die Artenvielfalt in und an Schweizer Gewässern frappant zurückgeht: Rund die Hälfte der Arten in Fliessgewässer steht bereits auf der Roten Liste, bei den Fischen sind es sogar 60 Prozent. Wie das BAFU unlängst bekannt gab, ist der Anteil an bedrohten Lebensräumen und Arten in den Gewässern und Feuchtgebieten besonders hoch. Der Druck auf die letzten natürlichen Fliessgewässer nimmt weiter zu, durch vielfältige Nutzungen wie zum Beispiel die Wasserkraft.

WWF kürt 12 Bündner Gewässerperlen
In Graubünden liegen 12 ausserordentlich wertvolle Fliessgewässer. Dass der Vorderrhein mit dem Naturmonument Ruinaulta, wo seltene Brutvögel wie der Flussuferläufer leben, dazu gehört, erstaut nicht. Dank der Aufweitung des Inns bei Bever, siedelte sich der Flussuferläufer im letzten Jahr auch im Mündungsbereich der Gewässerperle "Beverin" an. Auch der Vereina- und Verstanclabach sind eine Gewässerperle. Ausgeprägte Auenlandschaften unterhalb des Silvrettagletschers oder das Naturjuwel Jöriseen bilden eine grosse Palette an unterschiedlichen und wertvollen Lebensräumen. Im Gewässer kommen Bachforellen vor oder die geschützte Erdkröte, während das lappländische Knabenkraut auf den unteren Kiesflächen wächst. 

Ungenügender Schutz

Derzeit ist der Schutzstatus dieser kostbaren Gewässer ungenügend. «Nur einige wenige Gewässerperlen haben einen ausreichenden Schutz, der langfristig weitere Beeinträchtigungen ausschliesst. Der Handlungsbedarf ist gross», führt Petersen weiter aus. «Der WWF setzt sich dafür ein, dass neue Schutzgebiete oder Schutzinstrumente auf kommunaler, kantonaler oder nationaler Ebene geschaffen werden. Dort wo bereits ein Schutzstatus besteht, gilt es diesen zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern.»

Aufmerksamkeit für Gewässerperlen
Für den WWF ist es zwingend, dass in den Gewässerperlen keine neuen Beeinträchtigungen wie Verbauungen, Schwellen oder Wasserentnahmen zugelassen werden. «Ein Verschlechterungsverbot wie es die EU kennt, wäre bereits ein grosser Fortschritt», fügt die Projektleiterin hinzu. Die Schweizer Gewässerperlen benötigen viel Aufmerksamkeit und Schutz, davon ist Petersen überzeugt: «Nicht nur der Lebensräume und der Artenvielfalt wegen. Auch für uns Menschen sind diese Gewässerperlen wunderbare Erholungsgebiete.» 

Kontakt:
Lene Petersen, Projektleiterin Gewässerperlen WWF Schweiz, +41 78 764 45 69, Lene.PetersennoSpam@wwf.noSpamch

Weitere Infos unter:
water.wwf.ch
Grundlagenstudie 2016: https://assets.wwf.ch/downloads/zustand_ch_fliessgewasser_aug16.pdf 

Was ist eine Gewässerperle?
Gewässerperlen sind Gewässerabschnitte oder ganze Einzugsgebiete, die einen hohen ökologischen Wert und grosse Natürlichkeit aufweisen. Gewässerperlen sind weitgehend unverbaut, nicht genutzt und sie beherbergen eine standortgerechte Artenvielfalt. Der WWF hat mit mehreren Umweltbüros und lokalen Gewässerschutzexperten zusammengearbeitet und bei der Bestimmung der Gewässerperlen darauf geachtet, dass möglichst lange, zusammenhängende Abschnitte und Gebiete vorhanden sind, oder dass es sich um Gewässer handelt, welche besondere Eigenschaften aufweisen. 

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